Jul 29
Die Pluräle
Es war einmal ein armes kleines Wesen namens Plu. Es war mutterseelen-allein auf der Welt und fragte sich jeden Morgen, ob es da noch mehr von seiner Art gäbe. Früher war die Familie der Räle riesig gross. Zusammen gingen sie in Parks spazieren, kochten zusammen Blumenköhler und aßen Ananässe.
Zusammen mit seiner Schwester Mono hatte er immer viel Spaß, aber jetzt lebt sie im fernen Japan und macht dort als “Monoral” Musikkarriere. Deswegen fühlte sich Plu jetzt besonders allein und er beschloß nach anderen Rälen zu suchen um nicht mehr allein zu sein. denn wie er für sich fand, sollte ein echter Plu Ral nicht allein sein.
Eines Morgens wachte Plu schweißgebadet nach einem gar grässlichen Alptraum auf. In dem Alptraum war er von unbeugsamen Konjunktiven bedroht worden, die alle von einem tyrannischen Imperativ beherrscht wurden. Selbst der weise Indikativ kam ihm nicht zu Hilfe, denn er brütete zugern über Modalitäten seines Wortstammes und vergaß oft alles um sich herum. So derart im Stich gelassen und auf sich allein gestellt, reifte in Plu die endgültige Erkenntnis, er müsse sich nun unverzüglich auf die Suche nach den anderen Rälen begeben. Und so packte er seine sieben Sachen in seine Bündel und marschierte los.
( to be continued )
No commentsJul 29
die Abtei
Abt Kunibert schnippelte völlig in Gedanken versunken an einer Distelblüte, als ihm auffiel das es schon 8 Minuten nach 13 Uhr war. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel raffte seinen Rock und mit einer ungeahnten Behendigkeit sprang er in die Höhe und sauste zum Glockenturm um aller Welt ein ordentliches Geläut zu geben.
Nun könnte man meinen so ein Geläut unterliege bestimmten, möglicherweise voraussehbaren und unter Umständen nachvollziehbaren Regelmäßigkeiten. Aber es schien ehern um den Akt des Läutens zu gehen als um eben jene Regelmäßigkeit.
( to be continued )
No commentsMay 17
Mutterseelenallein
Wort des Tages: “mutterseelenallein”
Von allen Seelen verlassen
Ich bin so einsam. Alles ist still um mich. Keiner ist hier. Niemand da draussen. Ich bin mutterseelenallein. Es gibt nichts um mich herum. Ich bin allein in meiner Existenz, an diesem Ort. Kein Mensch hört mich, sieht mich, riecht mich, fühlt mich. Ich bin mutterseelenallein.
Kein Wesen hier, keine Seele, kein Geist, nur Stille und Leere. Nichts. Wo sind die freundlichen Hände, die fröhlichen Augen, die lachenden Münder und die wehenden Haare im Wind? Wo sind all die Geister dieser Erde, die zusammen mit mir lebten? Meine Ahnen, meine Familie. Freunde. Geliebte. Sie sind alle gegangen. Ich bin mutterseelenallein.
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Dass mutterseelenallein ein eingewandertes Wort ist, mag erstaunen. Mutter-seelen-allein : deutscher geht’s doch nicht! Von Mutter und Vater, Gott und der Welt verlassen, sozusagen ein Superlativ der Einsamkeit. Und das bedeutet das Wort wohl, nur ist es eben nicht so urdeutsch, wie wir meinen, denn es kam folgendermassen zustande : Am Anfang war da das französische moi tout seul, ” ich ganz allein”. Dieses moi tout seul ergab in der phonetischen Eindeutschung zunächst “mutterseel”. Ein schönes Wort zwar, aber der Sinn war weg. Man fügte also den Sinn hinzu, “allein”, und schuf das schöne deutsche “mutterseelenallein”.
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May 10
Der Baum und der Sturm
May 10
Das gewachsene Herz
es wurde ihm genommen, am leben erhalten, es beginnt sich neu zu gestalten …
No commentsMay 9
Mückenschwein
Wort des Tages: “Mückenschwein”
Die ganze Wahrheit über “Nematocera Suinus” !
Wenn es sowas wie einen Mückenmagnet gibt dann ist das mit Sicherheit T. Sie meinte einmal: würde Sie in einem Wald stehen wären binnen weniger Minuten alle Mücken auf Ihr. Im Zuge einer weiteren begeisterten Mückenbegegnung war es dann auch folgerichtig T., die den liebevoll treffenden Begriff des “Mückenschweins” ins Leben rief.
Was ist das nun für ein Tier das “Mückenschwein” (lat. Nematocera Suinus) welches ungestraft einem blutigen Geschäft nachgeht und wehrlosen Stadtbewohnern derart zusetzt, daß sie sich gezwungen sehen einen Schlachtzug gegen das schwirrende Etwas anzuzetteln. Dabei ist interessant zu betrachten das hier zwar zwei Tiergattungen hemmungslos gekreuzt werden aber nur eines der beiden tatsächlich für ein Tier steht, wärend das andere als bildliche Brücke mißbraucht wird, auf dessen Rücken man vorzüglich Schimpf und Schande abladen kann. Somit ist die Mücke mal wieder aus dem Schneider und die arme Sau darf es ausbaden. Mücke läßt sich also anscheinend nicht so schön assoziativ verbiegen wie ein unschuldiges, aber zugegebenermaßen an der Situation völlig unschuldiges Schwein.
May 8
Grenzwertig
Wort des Tages: “grenzwertig”
Haben Grenzen Werte oder Werte Grenzen?
Neulich sagte ich zu einer Kundin, das Layout ( einer Broschüre) wäre grenzwertig. Sie wusste sofort, was ich meinte und wir überlegten, was zu ändern wäre. In einer philosophischen Minute beschloss M., dass dieses Wort dringender Diskussion bedarf und in diesen Blog gehöre. Nun denn, was also ist grenzwertig? Als ich mit meiner Kundin sprach, war es mehr ein höflich-verpacktes “Das-geht-ja-mal-so-gar-nicht!”. Grenzwertig ist ein Modewort und als solches erst in neueren Duden-Auflagen zu finden, allerdings ohne weitere Erläuterung. Man ist also gezwungen, sich selbst damit auseinander zu setzen. Wieso sagt man grenzwertig, wenn man meint, etwas ist hart an der Grenze, kaum mehr in Ordnung? Ist es unverschämter, dem Gegenüber zu sagen, dass etwas nicht ok ist? Müssen wir die Wahrheit verpacken, damit sie unsere Mitmenschen besser aufnehmen können? (oder überhaupt aufnehmen) Dann würde ein schnödes Modewort die sonst so grausamen Wahrheit in ein warmes weiches Samtbett hüllen und für jeden leicht verdaulich machen.
Oder ist es uns einfach zulang zu sagen: “Hör mal, das Layout ist so schlecht, das kann man so nicht anbieten!” ? Ist es die “Maul-Faulheit”, die hier in Wahrheit dahinter steckt? Zwingt uns die schnell-lebige Gesellschaft dazu, neue kürzere Worte zu erfinden um unsere kostbare Zeit optimal auszunutzen? Wie wird dann die Zukunft? Unterhalten wir uns im SMS-Stil: WfefRRddw, nad!
Je länger ich mir Gedanken darüber mache, desto mehr geht mir der Sinn verloren. Was ist der Wert einer Grenze? Etwas oder jemanden davon abzuhalten, diese zu überschreiten? Eine Grenze zu ziehen, kann durchaus positiv sein. Sich gegenüber etwas oder jemandem abzugrenzen ebenso. Aber ausgegrenzt zu werden ist wiederum nicht schön. Es gibt also viele Werte für eine Grenze.
Und was ist mit den Werten? Haben Werte Grenzen? Werte wie Moral, Anstand, Mut, Loyalität? Ich bin der Meinung, wer Werte hat und diese in Grenzen hält, verarscht sich selbst. Oder aber es geht darum, was eine Sache wert ist. Dann wäre der Grenzwert wohl etwas nahe dem Werte-Verfall. Ein Beispiel:
Die Designer-Jacke ist 1000 Euro wert. Wenn ich verschlafen am Morgen in das Geschäft trotte, über den dösenden Köter am Eingang stolpere und meinen Starbucks Kaffee Mocca darüber gieße, können wir von einem klaren Werte-Verfall reden.
Wenn das angestrebte Layout am Ende mies aussieht (also Hoffnung ungleich Realität), ist der Wert dahin. Der Grenzwert erreicht. Das Layout ist eindeutig grenzwertig!
Es grüsst die wertereiche, grenzenlose T.
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